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Erdiges Schmuckstück

Artikel der Wümme Zeitung vom 26.07.17 hier laden.

Moorender Familienbetrieb schreibt mit der „Worpsweder Perle“ eine kartoffelige Erfolgsgeschichte.

Lilienthal: Perlen sind in Worpswede nicht weiß und glänzend. Sie bringen vielmehr den Geruch der dunklen Erde mit herauf auf die Fliesbandrollen des Kartoffelroders. Dicht an dicht rollen die Knollen darüber bis in die Kiste. Zu hohen Türmen übereinander geschichtet bergen diese die Kartoffeln im Kühllager, bevor sie sortiert und lichtgeschützt in festen Papiertüten als „Worpsweder Perle“ auf den Weg zu den Kunden gehen. Im Rahmen ihrer Aktionswoche „Leuchttürme der Lebensmittelproduktion in Niedersachsen“ besucht die CDU-Landtagsfraktion derzeit 13 Betriebe aus diesem Bereich im Bundesland. Einer davon ist der Hof der Familie Brüning. Der Familienbetrieb hat sich auf die Kartoffelproduktion spezialisiert und beliefert aktuell rund 25 Supermärkte und Hofläden in einem Umkreis von rund 50 Kilometern.

Worpsweder Perle, so nannte ein Freund des Großvaters die Brüningschen Kartoffeln schon vor gut 50 Jahren, als er sie auf dem Bremer Wochenmarkt verkaufte, erzählt Jürgen Brüning. Damals sei das noch „so ein Schnack“ gewesen. Im Jahr 2002 ließ die Familie, die den Hof in neunter Generation bewirtschaftet, Namen und Logo dazu schützen. Es war das Jahr, in dem sie ihren ersten großen Kunden in Bremen zu beliefern begannen, den Horner Supermarkt Lestra. Da packten sie die 2,5 Kilogramm-Tüten noch von Hand. Heute geht das nicht mehr. Von 60 bewirtschafteten Hektar entfällt mit 35 Hektar der größte Teil auf Kartoffeln, überwiegend der Sorte Belana. Damit die Pflanzen gesund bleiben, achten die Brünings auf eine wechselnde Fruchtfolge. So laugt der Boden nicht aus und sie kommen mit einem Minimum an Düngern aus, denn dieser und die Bodenbeschaffenheit beeinflussen den Geschmack der Kartoffel. Jürgen Brüning hat darum vom Vater die akribischen Bodenproben und das passgenaue Düngen übernommen. Klar, man könne mit mehr Dünger weit mehr als 40 Tonnen Ertrag pro Hektar erzielen. Doch das wollen sie nicht: „Kartoffeln reagieren sehr empfindlich, wenn sie überdüngt werden.“

Während Jürgen Brüning später die Besucher mit dem Kartoffelroder über den Acker fährt, schaut sein Vater Claus-Heinrich vom Feldrand aus zu. Als junger Mann hat er die Kartoffeln noch mit der Hand aufgesammelt. Er kennt noch das Gefühl von Erde auf der Kartoffelhaut. Auch wenn heute mehr Technik eingezogen ist und die Anbaumenge gestiegen, hat sich an einem Grundsatz nichts geändert: „Qualität ist das Wichtigste.“ Seit dem Jahr 2006 schätzen diese auch viele Edeka-Märkte der Region oder, wie Jürgen Brüning sagt: „Das hat sich nach und nach rumgesprochen bei den Marktleitern.“ Außerdem, so seine Erfahrung: „Regionalität schlägt Bio.“

Pflanzen, Sortieren, Abpacken – alles bleibt in der Hand des Familienbetriebs. Mit 16 Jahren hatte sich Jürgen Brüning für das Leben als Landwirt entschieden. Auch ohne Tiere beginnt sein Tag morgens um 5 Uhr und der Feierabend steht nicht so genau fest. Kein Wunder. Rund 350 Stunden Arbeitsaufwand fallen pro Hektar Kartoffeln an. Etwa 70 Stunden davon rechnet er auf dem Acker, den großen Rest benötigen Sortieren, Verpacken und Büroarbeit.

In die Lagerkiste vom Roder passen 1,3 Tonnen Kartoffeln. Im Außenluftlager stehen bis zu sechs davon übereinander geschichtet. Maximal acht Monate verbringen die Kartoffeln darin bei vier Grad Celsius. Damit der Lagerverlust so gering wie möglich bleibt, wird mit einer speziellen Lüftungstechnik Luft durch die Kisten gesaugt. „Da werden auch die Kartoffeln in der Mitte vernünftig gekühlt.“ Das System hatte Jürgen Brüning vor vier Jahren in seiner Meisterarbeit berechnet. Auf dem heimischen Hof hat es sich inzwischen bewährt. Und es verdeutlicht, was Jürgen Brüning über die Zusammenarbeit zweier Generationen sagt: „Wir ergänzen uns durch die Erfahrung von altem und neuem Wissen.“

Von den CDU-Politikern wünscht Jürgen Brüning sich darum nicht nur, dass Flächen nicht der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen werden sollen, sondern auch, dass es für Schulklassen einfacher sein solle, Bauernhöfe zu besuchen. Oft scheitere es am Geld für einen Bus, weiß Mutter Heike Brüning. Als Lehrerin ist es ihr aber ebenfalls ein Anliegen zu zeigen, was Landwirtschaft wirklich ausmacht.